Kreatives Schreiben mit Hajar Azell

Die Autorin Hajar Azell leitete im Kinderschutzzentrum Abdssalam Bennani in Casablanca einen Workshop zum kreativen Schreiben für junge Mädchen und zeigte den Kindern, wie sie ihre Erfahrungen durch das Erzählen von Geschichten verarbeiten können.

Kreatives Schreiben kann zu einem wichtigen Raum für Reflexion, Fantasie und Heilung werden, insbesondere für Mädchen, deren Stimmen selten Gehör finden. Der Workshop unter der Leitung unserer großartigen Moderatorin Hajar Azell zum Thema „Kreatives Schreiben“ im Abdessalam-Bennani-Kinderschutzzentrum in Casablanca bot den Teilnehmerinnen die Gelegenheit, ihre Erfahrungen durch das Erzählen von Geschichten zu verarbeiten.

Für Hajar beginnt das Schreiben oft mit einem inneren „Feuer“, also den Emotionen und Erinnerungen, die wir in uns tragen. Die Workshops schufen eine sichere und spielerische Umgebung, in der die Mädchen diese Gefühle in Geschichten verwandeln konnten. Durch fantasievolle Übungen, Wortspiele, Improvisation und reflektierendes Schreiben wurden die Teilnehmerinnen dazu ermutigt, schwierige Momente in ihrem Leben noch einmal zu durchleben und sie durch Kreativität neu zu gestalten.

Während des Workshops entschieden sich einige Mädchen dafür, über ihre Lebensrealität zu schreiben, während andere ihrer Fantasie freien Lauf ließen und weit darüber hinausschweiften. Eine Teilnehmerin, Sanae, beschrieb, wie sie in einen friedlichen Park floh – einen Ort, der sie zu verstehen schien, wenn ihr die Worte fehlten. Momente wie diese zeigen, wie das Erzählen von Geschichten neue emotionale Horizonte eröffnen kann.

Über das Schreiben an sich hinaus betonte Hajar, wie wichtig es ist, den Stimmen Gehör zu schenken, die oft übersehen werden. Indem sie Kreative mit Menschen zusammenbringen, die bedeutungsvolle Geschichten zu erzählen haben, erinnern uns Initiativen wie diese daran, dass Fantasie eine Brücke zwischen Gegenwart und Zukunft schlagen kann und jungen Frauen dabei hilft, sich die Ziele vorzustellen, die sie erreichen möchten.

Über Hajar

Die marokkanische Schriftstellerin und Kulturunternehmerin Hajar Azell gehört zu einer neuen Generation von Autor*innen, die sich in der Literatur mit Identität, Erinnerung und gesellschaftlichen Realitäten auseinandersetzen. Sie wurde 1992 in Rabat geboren und zog später nach Paris, um Betriebswirtschaft und Philosophie zu studieren, wobei sie ihre Leidenschaft für das Schreiben und die Kulturarbeit weiterentwickelte. Neben ihrer literarischen Laufbahn engagiert sie sich für die Förderung aufstrebender künstlerischer Stimmen aus Nordafrika und dem Nahen Osten durch kulturelle Initiativen und unabhängige Medienplattformen.

Azell ist die Autorin der Romane „L’Envers de l’été“ (2021) und „Le sens de la fuite“ (2025), die beide im Gallimard-Verlag erschienen sind. In ihren Werken verwebt sie oft persönliche Geschichten mit übergeordneten historischen und politischen Zusammenhängen und setzt sich dabei mit Fragen der Zugehörigkeit, der Erinnerung und den komplexen Beziehungen zwischen persönlicher Erfahrung und kollektiver Geschichte auseinander.

Neben ihren Romanen engagiert sich Azell regelmäßig in Kultur- und Bildungsprojekten, die sich mit der Kraft des Geschichtenerzählens befassen. Ihr Engagement in Workshops zum kreativen Schreiben spiegelt ihre Überzeugung wider, dass Literatur zu einem Mittel des Ausdrucks, der Fantasie und der Selbstermächtigung werden kann – insbesondere für junge Menschen und marginalisierte Gemeinschaften, deren Stimmen oft überhört werden.

Heide Rogers