In der Presse: Interview mit Sara Arsalane

Ein Interview der französischen Zeitung „L'Opinion“ mit Sara Arsalane, der Gründerin von lilipad.

Lilipad eröffnet kreative Bibliotheken in Marokko, um die Bildung von Mädchen in schwierigen Lebenssituationen zu fördern.

- Wie kam es zu der Idee, kreative Bibliotheken in Aufnahmezentren für junge Mädchen einzurichten?

„Lilipad“ entstand 2017, als ich an einem Freiwilligenprojekt in Uganda teilnahm und gemeinsam mit einem Lehrer eine kleine Bibliothek in einer ländlichen Grundschule aufbaute. Zurück in Berlin, wo ich seit über zehn Jahren lebe, habe ich Freunde zusammengebracht, um eine Bibliothek und Schulmaterial für eine Grundschule in einer ländlichen Gegend von Casablanca zu finanzieren. Sehr schnell stellten wir fest, dass der Bedarf in den Aufnahmezentren noch dringender war, wo die Kinder schwierige Situationen wie Verlassenheit, das Fehlen eines Erziehungsberechtigten oder Konflikte mit dem Gesetz erleben. Im Jahr 2018 haben wir daher eine Bibliothek im Centre de Sauvegarde Abdesslam Bennani in Casablanca eröffnet, einer Einrichtung unter der Aufsicht des Jugendministeriums.

Seit Sommer 2024 haben wir uns mit unserem Programm „Libraries & Storytelling Against Stigma“ dafür entschieden, gezielter mit Mädchen zu arbeiten, da in Marokko nach wie vor ein erhebliches Bildungsgefälle zwischen den Geschlechtern besteht. So sind Mädchen beispielsweise weiterhin stärker von Schulabbruch bedroht, insbesondere in benachteiligten Milieus.


- Welche Aktivitäten werden angeboten?


Unsere Bibliotheken sind Orte, an denen täglich reges Treiben herrscht. Einige werden von einer „Lilipad Librarian“ geleitet, einer jungen Pädagogin, die den Ort betreut und ein Vertrauensverhältnis zu den Mädchen aufbaut. Sie bietet Aktivitäten an, die auf die aktuellen Bedürfnisse und Wünsche zugeschnitten sind: Lesevergnügen, kreatives Schreiben oder auch künstlerische Workshops wie Zeichnen, Theater oder Malen. Der Ansatz bleibt flexibel und spontan und legt den Schwerpunkt auf Momente des Austauschs und der wohlwollenden Begleitung. Seit kurzem arbeiten wir auch mit lokalen Künstlern zusammen (zum Beispiel Schriftstellern, Fotografen, Filmemachern und Kunsttherapeuten). Diese Zusammenarbeit bringt kulturelle Bezugspunkte ein, die den Kindern vertraut sind, und sorgt für eine Vielfalt an kreativen Angeboten. Unser Ansatz geht weit über den schulischen Erfolg hinaus; wir setzen uns für das Lesen und das kreative Schaffen als echte Hebel für Resilienz und Emanzipation dieser Jugendlichen ein.

Sarah Arsalane

Sara ist Gründerin und Geschäftsführerin von lilipad. Sie liebt Bücher, Workshops, Briefe und vieles mehr